Gefangen im falschen Raum

Veröffentlicht am 12. Mai 2021 um 08:51

Wenn es um die Lösungssuche für Aufgaben, Probleme, Konflikte geht, ist oft die Rede von Problemraum und Lösungsraum. Natürlich sind hier nicht Räume im Sinne von 4 Wänden, Boden und Decke gemeint, sondern eher Haltungen und Herangehensweisen.

"Die Lösung ist doch glasklar" - diese Ansicht sucht auch Profis heim. Genau dann ist es wertvoll innezuhalten und nochmals zurück zum Ausgangspunkt zu gehen.

Lösungsräume brauchen Vorarbeit, sie müssen bereitet werden. Erfahrungen, Rahmenbedingungen, Einflussfaktoren, mögliche Folgen all das und noch vieles mehr soll eine tragfähige Lösung berücksichtigen.

Der Ansatz "langsames Denken - schnelles Denken" basierend auf den Arbeiten von D. Kahnemann adressiert diese Herangehensweise. 

Als Moderator / Projektleiter ist es gar nicht so einfach die Teilnehmer einer Runde aus dem Lösungsraum draußen zu halten bzw. sie wieder zurück zur Ausgangssituation zu führen. Individuelle Meinungen wurden bereits gefasst und es geht ja lediglich darum die "Anderen" davon zu überzeugen. Willkommen bei der Ursache zahlloser Konflikte...

Bereitet man konsequent den Lösungsraum ausgehend vom Problemraum, können derartige destruktive Diskussionen vermieden werden. Ein offenes Denken, eine unvoreingenommene Herangehensweise, das Heranziehen bisher nicht berücksichtigter Aspekte ermöglichen neue Wege. 

Bildlich gesprochen: während ein frühzeitiges betreten des Lösungsraumes dem Folgen des Kompass in eine Richtung gleicht, zeigt die Bearbeitung des Problemraums auf, dass es nicht nur diese eine Richtung gibt.

Methodisch bedürfen beide Räume natürlich anderer Zugänge. Während anfänglich ein offeneres Denken, unstrukturierte Herangehensweise ihren Platz haben, fokussiert sich im Lösungsraum die Arbeit auf die Lösung. In welcher Phase / welchem Raum man sich gerade befindet hat zentralen Einfluss auf die Art und Weise wie gearbeitet wird.

Wird im Problemraum unterschiedlichen Ansichten Platz geboten und deren Werte gewürdigt, so adressiert das auch potentielle Konfliktursachen. Hier geht es um gegenseitiges sehen, hören und wahrnehmen, nicht um verteidigen der eigenen Position. Und wenn man sein Gegenüber besser kennt, können auch leichter gemeinsame tragfähige Lösungen geschaffen werden.


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