Der konservative Innovator?

Veröffentlicht am 20. April 2021 um 15:48

Manchmal denke ich mir bei unbändigen Innovatoren wie stark ihre Energie sein muss, ohne Rücksicht auf Verluste ihren Weg zu gehen. Rücksicht auf die Umwelt wird zurückgestellt um der eigenen Idee zum Durchbruch zu verhelfen. Gleichzeitig wird mir aber immer wieder klar, dass die meisten Innovatoren keine Hasardeure sind, sondern entweder ein entsprechend unterstützendes familiäres Umfeld haben oder Geldgeber, deren Kapital sie auf ihre "Wette" einsetzen.

Auch diese Charaktere brauchen Sicherheit, die ihnen die Freiheit gibt ihre Gedanken zu entwickeln und nicht selten steht hinter diesen Karrieren eine gutbürgerliche Familie die existentielle Fragen ausblendete (siehe Bill Gates, Richard Branson, Elon Musk, Jeff Bezos...)

In Projekten erlebe ich oft, dass Innovatoren zwar vordergründig keine konservativen - auf "Altem" beharrenden - Aspekte wollen, im Endeffekt geben ihnen diese konservative Strukturen jedoch Sicherheit und schaffen damit ein Biotop, in dem diese Ideen erst zur Entfaltung kommen können. 

Spannend ist auch zu beobachten, wenn unterschiedliche Geschwindigkeiten von Innovation aufeinander treffen. Plötzlich führt die Innovation der einen Dimension zu Verunsicherung der anderen. In diesen Situationen wird transparent, dass Innovatoren oft nur ihre Idee im Fokus haben, die Wirkungen auf ein Team oder ein Gesamtsystem jedoch ungerne berücksichtigen - weil sie davon ausgehen, dass das Umfeld für sie geschaffen sei. "Wieso müssen die jetzt was ändern, wo ich die Ressourcen brauche" ist ein Gedanke, der in den Diskussionen auftaucht.

Hier braucht es die Balance, den Konflikt, die Diskussion um die unterschiedlichen Kräfte in eine gemeinsame Richtung zu lenken und Akzeptanz für die unterschiedlichen Dimensionen zu schaffen. 

Natürlich gibt es gnadenlose Charaktere, die Heilsbringer-gleiche Gefolgschaft fordern. Dies können vielleicht oben genannte Beispiele für sich in Anspruch nehmen. Im "echten" Leben sind aber eher Ausgleich und gegenseitiges Verständnis notwendig um Innovatoren in ein Umfeld einzubetten, in dem ihre Ideen wirkungsvoll werden können.

Eine zentrale Herausforderung ist es, diese unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Richtungen von Innovation und Beharrungsvermögen so zu kombinieren, dass Nutzen für die betroffene Organisation entsteht. Jede dieser Geschwindigkeitsunterschiede führt auf einer Seite zu Frust - sei es weil es zu langsam geht, sei es weil keine Entwicklung stattfindet, sei es weil die Entwicklung in die vermeintlich falsche Richtung läuft oder auch, weil die Umsetzung nicht genau genug ins Detail geplant ist.

Basierend auf einem gegenseitigen Verständnis ist die Basis geschaffen aus einem ungebändigten Innovator vielleicht doch einen konservativen Innovator zu machen, der auch auf die Rahmenbedingungen der Organisation Rücksicht nimmt.


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